Beiträge private Krankenversicherung

    Wie werden die Beiträge kalkuliert und angepasst ?

    1) Grundsätze der Beitragskalkulation in der PKV

    Trotz Deregulierung ist die deutsche Private Krankenversicherung bezüglich ihrer Beitragsgestaltung noch einem starken Regelwerk unterworfen. Bedingt durch ihre Stellung als substitutive Krankenversicherung - also als Krankenversicherung, die die gesetzliche Krankenversicherung ersetzen kann - und der damit verbundenen sozialen Funktionen, sind ihre Kalkulationselemente über das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) im Rahmen einer Kalkulationsverordnung festgelegt.

    Anders als der GKV-Beitrag, der nach dem sogenannten Umlageprinzip gestaltet wird und keine Vorsorge für das Älterwerden des Versichertenbestandes vorsieht, richtet sich der PKV-Beitrag in der substitutiven Krankenversicherung nach dem Prinzip des Kapitaldeckungsverfahrens - also nach Art der Lebensversicherung.

    2) Beitragskalkulation nach Art der Lebensversicherung

    Krankenversicherungsbeiträge der PKV werden nach dem Äquivalenzprinzip wagnisgerecht kalkuliert. Das bedeutet, entsprechend dem nach objektiven Kriterien eingeschätzten Risiko des Versicherten - differenziert nach Alter und Geschlecht - wird der Beitrag so bestimmt, daß der sogenannte Ertragswert der künftigen Leistungen gleich dem Beitragswert ist. Dabei legt man bei der Einschätzung der Entwicklungen der Versicherungsleistungen bestimmte statistische Erfahrungswerte zugrunde. Der Leistungsverlauf in der Krankenversicherung ist stark abhängig vom Lebensalter der versicherten Person. In der Regel liegt die durchschnittlich im Jahr bei einer versicherten Person anfallende Leistung im hohen Alter ca. beim 7 bis 10fachen des Betrages in den jüngeren Lebensjahren.

    Da man jedoch das Risiko des Älterwerdens durch Kalkulationselemente ausgleicht, also keine Beitragssteigerungen aufgrund des Älterwerdens möglich sind, erhebt man zunächst einen höheren als zur direkten Leistungserbringung notwendigen Beitrag und stellt diesen in der sogenannten Alterungsrückstellung, der entsprechend verzinst wird, zurück. Zu einem späteren Zeitpunkt werden dann diese Mittel aus der Alterungsrückstellung eingesetzt, um die kalkulatorische Lücke zwischen erhobener Prämie und rechnungsmäßiger Leistung auszugleichen.

    Anders als die Schadenversicherung kann die PLV ihre Risikobestände nicht durch selektive Kündigung positiv beeinflussen. Da umgekehrt bei den möglichen Kündigungen durch die Versicherten die Gefahr der Antiselektion gegeben ist und damit für die verbleibende Versichertengemeinschaft eine übermäßige Belastung eintreten könnte, werden die Deckungsrückstellungselemente - anders als in der Lebensversicherung - nicht individuell, sondern für das gesamte Risikokollektiv ermittelt. Durch Tod oder Kündigung freiwerdende Teile der Alterungsrückstellung fallen damit rechnungsmäßig dem verbleibenden Kollektiv zu und mindern dadurch ganz wesentlich die zu zahlende Prämie. Diese nach versicherungsmathematischen Grundzügen festgelegte Nettoprämie erhöht sich noch um die Zuschläge für die Verwaltung der Versicherungsverträge bzw. um die einen kalkulatorischen Sicherheitszuschlag und ergibt dann die in der Tariftabelle aufgeführte Bruttoprämie.

    Jeder so ermittelte KV-Beitrag hängt damit ganz stark von der in den Versicherungsbedingungen festgelegten Leistungszusage, vom Versichertenkollektiv und von der Kostensituation des jeweiligen Unternehmens ab. Alle Beiträge werden von Marktfreigabe durch den verantwortlichen Aktuar auf ihre ausreichende Bemessenheit hin geprüft und auch weiterhin noch zusätzlich dem Bundesaufsichtsamt vorgelegt. Die Aufsichtsbehörde genehmigt zwar nicht mehr formal vor Freigabe die Tarifprämie, überprüft aber die Einhaltung der Kalkulationsvorschriften und vergleicht die veranschlagten Rechnungsgrundlagen mit statistischen Mindeswerten und stellt damit noch zusätzlich sicher, daß korrekte Beitragskalkulationen durchgeführt werden.

    3) Kalkulationen im Rahmen von Beitragsanpassungen

    Die für den Versicherungsschutz erhobenen Beiträge werden regelmäßig durch Gegenüberstellung der kalkulatorischen Werte mit den tatsächlich erforderlichen Werten überprüft und bei Abweichungen von mehr als 5 bzw. 10 Prozent mit Genehmigung eines unabhängigen Treuhänders angepaßt.

    Dabei werden bei der Berechnung der Beiträge die gleichen Regeln angelegt wie bei einer Neukalkulation. In der Regel werden die Pro-Kopf-Leistungen (sog. Kopfschäden) dem neuen Schadenbedarf angeglichen. Daraus ergibt sich dann für den Neuzugang nach der Beitragsanpassung ein um diesen Prozentsatz höherer Beitrag.

    Für die Beitragsberechnung eines bereits Versicherten gilt, daß er zu seinem bisherigen Beitrag den zusätzlichen Mehrbeitrag seines zum Zeitpunkt der Beitragsanpassung erreichten Alters zu zahlen hat (analog der Summenerhöhung in der Lebensversicherung). Da sein bisheriger Beitrag aufgrund des früheren Eintrittalters niedriger liegt als zum jetzigen Alter, wirkt die Beitragsanpassung für einen bereits Versicherten prozentual immer höher als für einen Neuzugang. Noch gravierender ist dieser Effekt, wenn in der Vergangenheit durch Limitierungsmaßnahmen oder Tarifwechsel zusätzliche Rückstellungen anzurechnen waren.

    Im Ergebnis wirkt so der mathematisch ermittelte gleiche Erhöhungsbeitrag prozentual um so gravierender, je mehr Alterungsrückstellung für den Beitrag anzurechnen war. Damit ergeben sich für jeden Versicherten, abhängig von seinem ursprünglichen Eintrittsalter, von der Versicherungsdauer und von zwischenzeitlichen Umtarifierungen, die unterschiedlichsten Erhöhungsprozentsätze.

    Noch komplizierte stellen sich die Erhöhungsprozentsätze dar, wenn neben der reinen linearen Erhöhung der Kopfschäden auch noch andere Rechnungsgrundlagen geändert werden, wie zum Beispiel Sterbetafel, Stornowahrscheinlichkeit oder Altersabhängigkeit der Leistungen.

    4) Einheitlicher Anpassungssatz und Anpassungszeitpunkt für alle PKV-Unternehmen

    Ende letzten Jahres geriet die PKV unter öffentliche Kritik wegen einer vermeintlichen Absprache über einheitliche Anpassungssätze und Anpassungszeitpunkte. Die eben erfolgte Darstellung hat wohl deutlich gemacht, daß es sich dabei um eine Zeitungsente gehandelt haben mußte, denn es sind aufgrund des mathematischen Hintergrundes noch nicht einmal einheitliche Anpassungssätze innerhalb eines Unternehmens ja noch nicht einmal innerhalb eines Tarifes möglich.

    Auch die Anpassungszeitpunkte hängen sehr stark von den individuellen Schadenverläufen, den Abstimmungsverfahren mit dem Treuhänder und den technischen Gegebenheiten ab. Bedingt durch die von der Gesetzgebung beeinflußte Anpassung im Rahmen der Pflegepflichtversicherung zum 1.1.eines Jahres sind viele Unternehmen dazu übergegangen, aus Kostenersparnis auch die zur Anpassung anstehenden Tarife zu diesem Zeitpunkt anzupassen. Keinesfalls ist eine derartige Ausrichtung jedoch zum Nachteil für den Verbraucher.

    Ganz im Gegenteil hat er bei unterschiedlichen Anpassungszeitpunkten das große Problem, durch die unterschiedliche Geltungsdauer des Beitrags objektive Beitragsvergleiche anzustellen.

    Insofern spräche gerade aus Verbrauchersicht vieles für einen einheitlichen Termin, der zudem auch noch einen Vergleich zur GKV zuläßt. Wahlentscheidungsbehinderung ist jedoch auf keinen Fall gegeben, da bei einer Beitragserhöhung dem Versicherten immer ein Kündigungsrecht zusteht und er damit immer die Möglichkeit hat, sich für einen anderen Versicherer zu entscheiden. Zugegeben, diese Möglichkeit wird im Laufe der Zeit aus versicherungstechnischen Gründen immer geringer, aber der Kunde sollte - auch gerade bei einem so langlebigen Produkt - nach einer gewissen Zeit sicher sein, den richtigen Partner ausgewählt zu haben und kann dann auch gewiß sein, bis zum Vertragsende den Versicherungsschutz dauerhaft gewährleistet zu haben.

    Referent: Rolf Bauer, Dortmund