Worauf es bei der privaten Krankenversicherung (PKV) wirklich ankommt

    Langfristige Beitragsentwicklung:

    Nicht nur der aktuelle Beitrag, sondern vor allem die langfristige Entwicklung ist wichtig. Schließlich wählt man die PKV fürs Leben!

    Merkt man erst später, daß man keinen langfristig sinnvollen Versicherer gewählt hat, bringt ein erneuter Wechsel innerhalb der PKV meist schwerwiegende Nachteile mit sich: Nachteile eines erneuten Wechsels



    Anzeichen, wonach man voraussichtlich auf Dauer bei einem Versicherer gut aufgehoben ist:

    Langfristig beibehaltene Tarifwerke
    :

    Der häufigste Anlaß für neue Tarifwerke ist, daß die Beiträge zu teuer wurden. Der neue Tarif mag ja günstig sein, aber wie sind die Anzeichen, ob er es auch bleibt?

    Surminski: Viele neue Tarife erblicken nicht das Licht der Welt, weil der Versicherer den Kunden etwas Gutes tun will, sondern aus schierer Verzweiflung. Der alte Tarif ist hoffnungslos überlastet. Mit ihm kann man auf dem Markt keine Kunden mehr gewinnen."

    Und:

    Geht das Neugeschäft in neue Tarife, steigen die Alt-Tarife um so stärker an, denn die Beitragserhöhungen werden pro Tarifwerk eigenständig beschlossen, und ältere Tarife werden aufgrund der Altersstruktur voraus- sichtlich stärker erhöht.

    Surminski: "Unternehmen, die über Jahrzehnte an einem Tarifwerk festhalten, haben die Vermutung für sich, dass sie den alten Tarif sauber kalkuliert haben, und dass er nicht durch eine laxe Annahmepolitik zu stark belastet ist."

    Verzicht auf "Lockangebote" ..mit womöglich unzureichenden Leistungen.

    Günstige, abgespeckte Einsteiger-Tarife mögen zum Beginn sinnvoll sein, aber: gibt es auch vernünftige, dauerhafte Folge-Tarife? Oder wird es dann überproportional teurer?

    Surminski: "Im allgemeinen kann man den Rat geben, einem Versicherer mit durchschnittlichem Beitragsniveau den Vorzug zu geben vor einem Billiganbieter.“

    Hohe Rückstellungen

    Vernünftige, nach Möglichkeit überdurch- schnittlich hohe Rückstellungen (RfB-Mittel), aus denen Beitragserhöhungen gedämpft werden können. Diese Mittel sind ein zusätz- liches "Konto", aus dem laufend gezehrt wird, das aber auch laufend neu gefüllt wird. Man kann erwarten, daß hohe Rückstell- ungen, die langfristig aufgebaut wurden, gemäßigtere Anpassungen bedeuten.

    Surminski: "Von der Höhe der für die Versicherten angesammelten Überschüsse hängt es z.B. ab, ob das Unternehmen genügend Mittel hat, um notwendig werdende Beitragsanpassungen abzumildern."

    Niedrige Abschluss- und Verwaltungs- kosten

    Langfristig gesehen möglichst durchschnitt- lich hohe oder unterdurchschnittliche Abschluß- und Verwaltungskosten, damit der Beitrag nicht unnötig in die Höhe getrieben wird. Wenn ein Versicherer stark expandiert, erhöht das die Abschlußkosten; das ist nicht unbedingt nachteilig. Bleibt es aber langfristig so, muß der Kunde diese erhöhten Kosten mittragen, und wahrscheinlich gibt es auch größeren Anpassungsbedarf.

    Surminski: „Eine Faustregel besagt jedoch, dass Unternehmen, die hohe Abschlusskosten haben, aus Sicht der Kunden nicht die besten Versicherer sind.“

    Langfristig etablierte Versicherer:

    Junge Versicherer können anfangs mitunter mit günstigen Beiträgen arbeiten. Sie haben noch keine belastenden Altbestände. Dies wird sich aber im Laufe der Zeit ändern. Erst dann wird sich zeigen, wie der Versich- erer damit zurechtkommt. Die langfristige Beobachtung und Beurteilung der Tarifwerke sowie der Unternehmensdaten ist noch nicht möglich. Bei lange etablierten Versicherern dagegen ist das gut möglich, und man kann sehen, ob dieser langfristig bei seinen Tarif- werken blieb, oder nicht.

    Surminski: „Neugründungen haben den Vorteil, dass sie mit einer neuen Risikostruktur anfangen können, und nicht auf alten, schaden- trächtigen Beständen sitzen. ... Viele Jungunternehmen sind in der Risikoprüfung eher großzügig, aus dem einfachen Grunde, weil sie unbedingt wachsen wollen, also niemanden ablehnen dürfen. Sie beginnen mit einer günstigen Risikostruktur, können also auch günstige Beiträge bieten, verschlechtern diese Struktur aber bald durch eine großzügige Annahmepolitik."

    Die langfristige Betrachtung der Unter- nehmensdaten halten wir für wichtiger, als nur das letzte Jahr.

    Vorsichtige Annahmepolitk

    Eine Rolle spielt auch die Annahmepolitk: Wer wirklich erhöhte Risiken vergleichsweise problemlos annimmt, muß damit rechnen, damit die Beiträge langfristig in die Höhe zu treiben. Diese Versicherer können als "Magnet" für schlechtere Risiken werden.

    Surminski: "Eine laxe Risikoprüfung führt dazu, dass der Versicherer häufiger und schneller mit Schäden belastet wird, also bald höhere Beitragsanpassungen drohen".

    Stimmen die langfristigen Kriterien, kommt es weiter an auf:

    Leistungen und Beitrag:

    Natürlich müssen die Leistungen stimmen. Oft kommt es mehr darauf an, daß die persönlichen Schwerpunkte überwiegend erfüllt sind, nicht nur auf "gute Punktwerte".

    Ansonsten ist natürlich immer ein gutes Beitrags/-Leistungsverhältnis von Bedeutung, jedoch nie ohne Beachtung der langfristigen Kriterien.

    Achtung:

    Neue Tarife haben häufig ein besonders gutes Beitrags/-Leistungsver- hältnis.

    Die Frage ist:

    Ist der Beitrag in Relation zum Markt so haltbar? Gute Leistungen haben immer ihren Preis, und der muß bezahlt werden.

    Selbstverständlich kann man auch "die günstigste Versicherung" wählen. Jedoch halten wir das nur für sinnvoll, wenn der Versicherer durch solide Unternehmensdaten und stabil beibehaltenes Tarifwerk seine langfristige Eignung gezeigt hat.

    Surminski: "Jeder tut gut daran, gegenüber allen Billigangeboten eine Portion Skepsis walten zu lassen. Diese Beiträge mögen für den Augenblick niedrig kalkuliert sein, da aber alle Versicherer mit etwa den gleichen Schadenentwicklungen zu rechnen haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese zur Zeit günstigen Beiträge einmal drastisch angepasst werden müssen, sehr groß."

    Genügen einem kassenartige, knappe Leistungen, ist dies deutlich günstiger zu haben.

    Beitrag im Alter:

    Wenn die Beiträge durch solide Unter- nehmenspolitik (s. oben) sich nur maßvoll weiterentwickelt haben, dürften Sie auch im Alter bezahlbar bleiben. Durch zusätzliche Rückstellungen aus den Überschüssen kann der Versicherer die Beiträge ab 65 unter Um- ständen sogar etwas senken. Entsprechend wichtig sind die erzielten Überschüsse.

    Die private Krankenversicherung sollte zur Familienplanung passen: Da in der PKV der Beitrag für jede Person einzeln zu zahlen ist (kein Familienbeitrag), ist es wichtig, daß man in möglichst jungen Jahren beitritt, wenn man Kinder haben will. Damit kann man in der Regel erreichen, auch mit 1-2 Kindern unter dem durchschnittlichen Höchstsatz der gesetzlichen Krankenver- sicherung zu bleiben.

    Idealerweise sollte die Ehefrau nach dem Erziehungsurlaub (bis 3 Jahre) durch Berufs- tätigkeit wieder versicherungspflichtig werden, oder nicht viel später. Dann dürfte die PKV auch für die Familie langfristig günstig sein.

    Beabsichtigt man, keine Kinder in die Welt zu setzen, bzw. sind diese inzwischen selbst berufstätig, kann sich der Wechsel in die PKV durchaus auch in höherem Alter noch lohnen. Weiteres zu diesem Thema unter "PKV und Familie".

    Passende Selbstbeteiligung:

    Angestellte wählen möglichst kleine oder, wenn es sich rechnet, gar keine Selbstbetei- ligung (SB). Der Arbeitgeber beteiligt sich gewöhnlich nicht an der SB. Daher kommt es darauf an, ob man an seiner eigenen halben Beitrag mehr einsparen kann, als die SB kosten könnte.

    Selbständige wählen die SB in der Regel relativ hoch, da die dabei erzielte Ersparnis meist deutlich höher ist, als die Selbstbe- teiligung (SB) kosten kann. Wir schlagen daher gewöhnlich vor, die SB zu optimieren.

    Dabei unterstellt man, daß die SB in vollem Umfang anfällt, und rechnet diese monatlich anteilig auf den Beitrag um. Auf der Basis dieses "Effektiv-Beitrags" kann man die sinnvollste SB bestimmen. Bei jungem Eintrittsalter (insbesondere Männer) muß die SB dabei nicht allzu hoch sein



    Die Zitate sind Auszüge aus einem Vortrag, den Arno Surminski am 20.10.2000 in Bochum vor dem „Institut der Versicherungsmakler e.V.“ hielt.

    Der Titel war: "Wo sind die besten Krankenversicherer?"

    Surminski (Jahrgang 1934) ist Wirtschaftsjournalist, und ist durch seine äußerst sach- kundigen, aber auch kritisch hinterfragenden und ausleuchtenden Betrachtungen der Versicherungsbranche eine allseits anerkannte Persönlichkeit; dabei letztlich schon eine aus der Versicherungswirtschaft nicht mehr wegzudenkende Institution.

    Zum Beispiel schreibt er seit über 10 Jahren den sogenannten „Surminski-Report“, eine jährliche Beurteilung der Unternehmensdaten in der Privaten Krankenversicherung nach vielen Kriterien.

    Neben vielen weiteren Funktionen ist er Mitglied des Versicherungsbeirates beim Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen.

    Seit 1.10.2001 gibt es auch für die PKV einen Ombudsmann - diese Funktion hat Herr Arno Surminski von 1.10.2001 bis 30.09.2007 übernommen. Ab 01.10.2007 ist als neuer Ombudsmann der PKV, Dr. Helmut Müller eingesetzt worden.

    Der Ombudsmann hat eine Einigungs- und Schlichtungsfunktion. Die Inanspruchnahme des PKV-Ombudsmanns ist kostenlos. Sitz des Ombudsmanns ist in der Berliner Geschäftsstelle des PKV-Verbands, in der Leipziger Str. 104, 10117 Berlin. Homepage: http://www.pkv-ombudsmann.de/